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Der Moloch frißt seine Kinder

Die Erklärungsversuche der englischen Presse für das Scheitern ihrer Nationalmannschaft in der EM-Qualifikation nehmen sich teils lustig aus. <Richard Williams> schreibt für den <GUARDIAN>, daß die ausländischen Spieler in der Premier League schuld an der Misere der “Three Lions” seien. Allerdings nicht bezogen auf die Tatsache, daß sie in den Vereinsmannschaften die Stammplätze für englische Talente blockieren. Vielmehr wirft Williams den ausländischen Spielern vor, ihre englischen Mitspieler nicht besser zu machen, sondern die “bad habits” des englischen Fußballs anzunehmen und sich anzupassen. Diese “habits” sind für Williams Tempo, Einsatz und Abstiegsangst. Das Versagen der Premier League benennt er so:

“[...] With only a few exceptions, the Premier League has reshaped the play of its foreign imports, rather than allowing them to usher it into a new age of enlightenment. [...]“

Er vermißt in der englischen Liga Eigenschaften wie Ruhe, Überlegung und Technik; Eigenschaften, die die meisten ausländischen Spieler mit- aber zu selten einbrächten. Was Williams verschweigt ist, welchen Anschuldigungen die Spieler gegenüberstehen wenn sie “ihr Spiel” spielen. <Xabi Alonso> wird nach einem Champions-League-Titel und einem Finaleinzug noch immer “zu langsam” genannt, wenn er versucht, die Spielgeschwindigkeit des FC Liverpool zu variieren. Mittelfeldspieler mit starker strategischer Ausprägung, wie z.B. <Gaizka Mendieta> oder <Juan Sebastian Verón>, scheitern ein ums andere Mal am Hauruckfußball der Premier League. <Christiano Ronaldo> war jahrelang als ineffektiver Trickser verschrien wenn er für Manchester United zu seinen Flügelläufen ansetzte. Die Schuld liegt weniger bei den Spielern als vielmehr bei den englischen Trainern, die sich nicht die Mühe machen, ihre Teams zu bereichern, sondern sie einebnen. Williams nennt hierfür <Sam Allardyce> als Beispiel (der erschreckenderweise im erweiterten Kandidatenkreis für das Amt des Nationaltrainers ist). Er schließt seine Ausführungen mit einer Jubelarie auf <Arsène Wenger> und <Cesc Fabregas>, der – das kann man jetzt im November schon sagen – Englands Fußballer des Jahres werden wird.

Ein Bonmot gönnt Williams dem deutschen Leser am Ende, wenn er angesichts der nationalen Krise an große internationale Teams der Vergangenheit erinnert. Während in Deutschland der Fußball der frühen Siebziger Jahre primär mit dem Namen Beckenbauer belegt ist, nennt der Engländer Williams den Europameister von 1972 “<Netzer’s> West Germans in 1972″. Wenn das der Kaiser liest.

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