So belanglos das Ergebnis der Zusammenführung von Harald Schmidt und Oliver Pocher auch sein mag: Hitler bringt es immer. In diesem Fall bringt er <”Schmidt & Pocher”> wieder ins Gespräch. Nachdem die Sendung zum Start mit unglaublichem Medienaufwand begleitet wurde, hat sie sich jetzt, nach vier Folgen, bereits in die Bedeutungslosigkeit verabschiedet. Gut, daß zumindest ein halbwegs gelungener Scherz aus der ersten Ausgabe im nachhinein noch als Aufhänger für eine Kampagne taugt, um die Sendung im Gespräch zu halten.
Die “Nazometer-Debatte” hat natürlich auch den Polemik-Papst <Henryk M. Broder> wieder die Tastatur klappern lassen. In einem <feinen Artikel> für SPIEGEL Online verteidigt er “Schmidt & Pocher” und schreibt:
“[...] sie haben sich über den ritualisierten, verlogenen und wohlfeilen Umgang mit dem lustig gemacht, was vom Dritten Reich übrig geblieben ist: das inszenierte Entsetzen.
Um sich als Nazi-Gegner zu outen, genügt es schon, bei der Erwähnung des Wortes “Autobahn” kurz zu hyperventilieren. Solche Reaktionen sind nicht nur absurd, sie sind auch komisch. Und sie verdienen es, auf die Spitze getrieben zu werden. [...]“
Willi Winkler wundert sich in der Süddeutschen Zeitung darüber, daß Hitler tot lebendiger sei denn je. Treffend formuliert er, daß statt des “Nazometers” hier nun der “Empörungs-Automat” ausschlage in der Gestalt des streberhaften SWR-Intendanten Peter Boudgoust. Die üblichen Verdächtigen vom Zentralrat der Juden, die Broder noch aufzählt, läßt er gleich außen vor.
Die Empörung über die komische Verballhornung einer Empörung paßt wie angegossen zum Umgang mit dem Dritten Reich in Deutschland. Der “Antifa-Zirkus” (Broder) ist in seiner verkrampften Inszenierung und seinem ritualisierten Gedenken auch nach 60 Jahren noch so unerträglich, daß man sich fragen muß, ob dieses Land denn nie das Lachen lernt. Es wäre erstrebenswert, in den deutschen Kanon für eine Diskussion des Dritten Reichs nicht nur Werke wie Sebastian Haffners Essay <”Anmerkungen zu Hitler”> aufzunehmen, sondern auch Mel Brooks <”The Producers”>. Vor allem den Betroffenheitsaposteln würde ein Lachen gut zu Gesicht stehen.
Winkler kann es zuletzt nicht lassen, in seinem Beitrag zur “Nazometer-Debatte” Johannes B. Kerner nachträglich noch eine schallende Ohrfeige zu verpassen:
“[...] Warum aber die ganze Aufregung? Johannes B. Kerner hatte im Oktober Eva Herman eingeladen. Sie sollte aber nicht ihre bescheidenen Hypothesen zur nachlassenden Fortpflanzungsbereitschaft des deutschen Volkes vortragen, sondern vor der laufenden Kamera rausgeschmissen werden. Die Sendung war ein Schauspiel, vor allem für den Moderator: Eine sendungsbewusste Fernseh-Tussi adelte einen nicht weniger mediensüchtigen Betroffenheitsdarsteller mit ein paar dämlichen Worten zum Widerstandshelden. Aber bitte, für irgendwas müssen die Gebühren ja verwendet werden. [...]”
Quelle: Süddeutsche Zeitung
Nr.265, Samstag, den 17. November 2007 , Seite 23.
Das kann man so stehenlassen.
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