Mit großen Ambitionen ist der SV Werder Bremen in die Saison gestartet. Bei der vierten Champions-League-Teilnahme in Folge sollte die Gruppenphase überstanden werden. Man wähnte sich auf Augenhöhe mit jährlich wiederkehrenden Achtelfinalaspiranten wie dem PSV Eindhoven, FC Valencia, Olympique Lyon oder einem der beiden Glasgower Clubs: ohne Titelchancen zwar, aber um den Einzug ins Viertelfinale mitmischend. Leider kommt es oft anders als man denkt und so finden sich die Bremer jetzt auf dem letzten Platz ihrer Gruppe wieder. Es hat nicht gereicht für das Konzert der Großen, es reicht vielleicht nicht einmal für den “Cup der Verlierer”. Mit einer indiskutablen zweiten Halbzeit im Heimspiel gegen Olympiakos Piräus und einem höchstgradig beschämenden Auftritt bei Lazio Rom haben die Bremer eindrucksvoll mangelndes europäisches Topniveau unter Beweis gestellt. Die vielen Verletzten, die der SV Werder seit Saisonbeginn zu beklagen hat, wirken sich in der Champions League anders aus als in der Bundesliga. Die Bremer stehen auf einem mehr als zufriedenstellenden zweiten Platz, einen Punkt hinter den für unantastbar gehaltenen Bayern aus München. In der nationalen Liga sitzt der zweite Anzug. Dort ist es egal,
- daß Clemens Fritz nach Verletzung seiner Form der vergangenen Saison hinterherläuft
- daß Markus Rosenberg ein Schatten seiner famosen Rückrunde ist
- daß sich Torsten Frings das zweite Mal in dieser Saison schwer am Knie verletzt hat
- daß auf der linken Verteidigerposition abwechselnd Petri Pasanen und Dusko Tosic nichts für das Offensivspiel tun
- daß Tim Borowksi länger als erwartet braucht, um wieder in Form zu kommen
- daß der Rekordtransfer Carlos Alberto auf bisher 41 Minuten Spielzeit kommt
- daß Mittelfeldergänzungen wie die Dänen Jensen und Andreasen in schöner Regelmäßigkeit von solide auf ganz schwach umschalten.
In der Champions League aber kommen all diese bremischen Unzulänglichkeiten zum Tragen. Hier reicht es nicht aus, mit dem zweiten Anzug zum Tanz zu bitten. Die Bremer befinden sich auf ihrem Weg zu einer europäischen Spitzenmannschaften im Niemandsland zwischen nationaler Spitze und internationaler Bedeutung: in der grauen Zone des kontinentalen Ungenügendsein. Die Entwicklung, die der SV Werder seit dem Titelgewinn 2004 gemacht hat, geht stetig nach oben. National sind sie als jährlicher Titelfavorit etabliert, auf dem europäischen Niveau hakt es jedoch. Den Bremern fehlt ein passender zweiter Anzug, vielleicht ein, zwei Nummern größer, dann klappt es auch mit dem Tanz auf dem europäischen Parkett.
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