Am Dienstagabend erreichte Johannes Baptist Kerner einen weiteren Tiefpunkt seiner Karriere als “Journalist”. Quotentechnisch war es seine beste Sendung des Kalenderjahres, aber inhaltlich … au weia. Eva Herman und drei Knallchargen waren die Gäste, wobei der Fixpunkt natürlich Herman und ihr Image als “Eva Braun” war. Zudem war noch eingeladen ein Berliner Historiker, dessen Name nichts zur Sache tut, denn in einem selbstdisqualifizierenden Akt der Flapsigkeit bugsierte er sich wundervoll auf Franz-Josef-Wagner-Niveau hinunter, als er Eva Herman erklärte, daß es im Dritten Reich keine Moderatorinnen gegeben habe. Um es kurz zu machen: es war eine Hexenverfolgung, par excellence inszeniert, Feuilleton-Stoff für die ganze Woche, und um es zum Fernsehereignis des Jahres zu machen, hätte nur noch Reinhold Beckmann gefehlt, der sich zu Eva Herman herübergelehnt, mit dem Zeigefinger auf den Tisch geklopft und seine Frage (=”Das interessiert mich jetzt, Eva: was hast Du dabei gedacht?”) gestellt hätte. Niemand kann das besser kommentieren als Henryk M. Broder, der Polemiker schlechthin, der die Sendung <”die längste Antifa-Sitzung im öffentlich-rechtlichen Fernsehen”> nannte.
Ein Teilaspekt der Debatte geht jedoch unter, denn der Gegenstand des “Falles Eva Herman” ist nicht das Thema “Drittes Reich aus geschichtswissenschaftlicher Sicht”, sondern vielmehr, wieviel Unwissen eine Person des Mediengeschäfts haben darf. Anders gesagt: wie naiv kann/darf man über ein Thema reden, bei dem man sich sicher sein kann, Millionen von Adressaten zu erreichen?
Ihr planloser Auftritt bei Kerner wird Eva Herman lange verfolgen, weil sie dort den Eindruck machte, es einzig auf eine billige Schmierenkomödie abgesehen zu haben, um … ja, um was? Um ihr Buch zu verkaufen? Um sich für einen Posten bei der NPD zu bewerben? Um sich als Vorzeige-Matrone der Republik zu profilieren? Die Frauenbewegung wird sie nicht nach vorne bringen, wie das Jahr 2007 bisher ohnehin nicht gesegnet ist mit modernen Frauen. Für jede Angela Merkel tauchen als Medusakopf je eine Gans (Herman) und eine Sirene (Pauli) auf, die Rollenklischees bedienen, die niemand mehr sehen möchte.
Rechnet man Herman einen Rest von Intelligenz und gesundem Menschenverstand zu, dann ist es unerklärlich, wie jemand, der fast 20 Jahre Medienerfahrung auf hohem Niveau auf dem Buckel hat, sich so dermaßen dumm anstellen kann und mit einem so unglaublichen Mangel an Sensibilität an ein Thema herangeht, das als das roheste Ei der deutschen Geschichte gelten muß.
Broder hat den tollen Satz geschrieben <”Wer zuerst Hitler, Nazis, Drittes Reich sagt, hat die Arschkarte gezogen”>. Wie recht er damit hat, zeigt Eva Herman schonungslos auf. Das Thema “schonen” beziehe ich hier aber ausdrücklich nicht auf die selbstzerstörische Ex-Moderatorin, sondern auf das arme Publikum, das solch trauriges Dummenschentum vorgesetzt bekommt.
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