Es scheint vollbracht. Die unendliche Geschichte der Chefredakteurssuche beim SPIEGEL nähert sich ihrem letzten Kapitel. Eine Doppelspitze soll künftig das <meistzitierte> Nachrichtenmagazin Deutschlands wieder auf Kurs bringen.
Der SPIEGEL Online-Chef Mathias Müller von Blumencron und der Leiter des Berliner Büros Georg Mascolo werden die neuen Chefredakteure des SPIEGEL. Zumindest wünscht sich das die Mitarbeiter KG des SPIEGEL Verlags. Die Zustimmung des Minderheitseigners Gruner+Jahr steht zwar noch aus, wird aber nur noch als Formalie betrachtet.
Was bedeutet das für den SPIEGEL? Keine Hitler-Cover mehr? Keine Jagd nach dem Bernsteinzimmer? Keine Meinungsmache gegen Windenergie? Keine BUNTE-ähnlichen Porträts von Wirtschaftsbossen? Keine Kumpanei- und Schulterschlußaktionen mehr mit Döpfner und Schirrmacher? Alles Aust? Wenn man die beiden neuen Chefredakteuere jeweils in einem Wort zusammenfassen müßte, dann würden dabei “Qualitäts-Boulevard” (Müller von Blumencron) und “Enthüllung” (Mascolo) herauskommen. Zugegeben, ersteres sind eigentlich zwei Wörter, aber so wird die Arbeit von Müller von Blumencron durch Steffen Range und Roland Schweins von der Friedrich-Ebert-Stiftung <medienwissenschaftlich bewertet>.
Vielleicht wird der SPIEGEL-Kritiker Oliver Gehrs ja nun wieder glücklich. In seinem Videoblog auf <watchberlin>, wo er wöchentlich den aktuellen SPIEGEL auseinandernimmt, sieht er oftmals so gequält aus, daß man sich einen besseren SPIEGEL schon allein für ihn wünscht. Seine Forderungen sehen so aus:
“Das Leitungspersonal muss realisieren, dass die Attitüde des allwissenden, rechthaberischen Journalisten von gestern ist.”
“Eine Meinung, die länger als eine Woche hält, wäre auch nicht schlecht.”
“Der Chefredakteur muss akzeptieren, dass die Zeit der Alphamännchen vorbei ist.”
“Spiegel”-Kritiker, -Kenner und Ex-Redakteur Oliver Gehrs beschrieb schon Anfang Januar in einem “10-Punkte-Plan”, was der “Spiegel” jetzt tun muss.
“Medium Magazin”
Gefunden auf <turi2.de>, 18.01.2008.
Das Doppelkönigtum soll beim SPIEGEL bereits ab dem 1. Februar regieren. Was bedeuten würde, daß Ottmar Hitzfeld den >Zweikampf der lahmen Enten< gegen Stefan Aust gewonnen hätte.
Druckversion
Einen Kommentar abgeben