Diese Woche: Madonna als Gesamtkunstwerk.
Gestern feierte Madonna ihren 50. Geburtstag. Wobei ich mir nicht sicher bin, ob sie wirklich gefeiert hat oder ob sie einfach das zweite Mal 49 geworden ist. So eine runder Geburtstag ist natürlich eine Gelegenheit, ihr hier meine Aufwartung zu machen: Lady Madonna, you got me on my knees .
Einerseits gibt es so viele Madonna-Musikvideos, daß ich gar nicht weiß, welches ich mir herauspicken soll. Andererseits sind sehr viele davon … nun ja … von minderer Qualität. Ich denke nur an so schlimme Dinger wie “Who’s that girl?” [1] oder “Like a virgin” [2]. Klar, das sind “Frühwerke” und noch nicht mal annähernd da zu verorten, wo Madonna spätestens Mitte der 90er angekommen ist: im Musik-Feuilleton. Von den trashigen Videos der Anfangsphase kommt also keines in Betracht.
Wikipedia verzeichnet für Madonna 79 Singles, d.h. es dürfte auch 79 Musikvideos geben (von denen, oje, ich vermutlich alle kenne…). Die Achtzigste, “Miles Away”, wird vermutlich nächsten Monat erscheinen.
Wenn ich an die Madonna-Videos denke, die mir gefallen, sind das doch ein paar. Kein Wunder, bin ich doch Besitzer der DVD “Madonna – The Video Collection ‘93-’99“, wo die Hochphase an guten Madonna-Videos verzeichnet ist. Nach ‘99 ließ die Qualität der Videos sehr nach, das kann man schön an den beiden schwachen Videos zum neuen Album sehen, “4 Minutes” [3] und “Give It 2 Me” [4].
Vermutlich ist mein liebstes Madonna-Video “Frozen”, weil “Ray Of Light” auch mein liebstes Madonna-Album ist. Genau kann ich das gar nicht sagen, mir gefallen viele Videos aus der Zeit “Bedtime Stories” (1994) bis “Ray of Light” (1998).
Madonna, “Frozen”, 1998; Regie: Chris Cunningham.
Das Video ist ziemlich schick anzuschauen, kinematographisch sieht das beeindruckend aus. Angeblich war eine Inspiration von Cunningham für die schönen Landschaftsaufnahmen der Film “Der englische Patient” … und da paßt natürlich wieder alles zusammen für mich. Madonna turnt als dunkelgewandete Ethno-Hexe mit Henna-Malereien in der Mojave-Wüste herum und kann formwandlerisch zu einem Schwarm Krähen mutieren und sich in einen Dobermann verwandeln: das hat was.
Für das ‘98er-Album “Ray Of Light” hat Madonna ohnehin konstant schöne Videos produziert bekommen, z.B. das sehr edle “The Power Of Goodbye” [5], in dem sie Schach gegen den ER-Hunk Goran “Dr Luka Kovac” Visnjic spielt: Hach, das wäre ich gerne gewesen…
Direkt nach “Frozen” kommt auf meiner Liste “Bedtime Story”, das künstlerisch wertvollste Madonna-Video.
Madonna, “Bedtime Story”, 1995; Regie: Mark Romanek.
In dem Song spricht/singt Madonna:
(Traveling) Leaving logic and reason
(Traveling) To the arms of unconsciousness
Das Video spiegelt diese Reise ins Unbewußte mit wunderschönen, surrealen Bildern wider. Madonna, die aussieht wie eine Sonnenblumen-Medusa, tanzende Männchen mit konischen Hüten (ja, konisch!), Tauben, die aus Madonnas Bauch herausfliegen, Engel mit abgerissenen Flügeln, Münder als Augen: eine visuelle Achterbahnfahrt. Das Video befindet sich mittlerweile in der Film- und Videoabteilung des New Yorker Museum of Modern Art.
Die Liste wäre natürlich nicht komplett ohne ein klassisches 80er-Jahre-Video.
Madonna, “Borderline”, 1984; Regie: Mary Lambert.
Es ist keines von den stupiden Tanzvideos a la “Holiday” [6] oder “Lucky Star” [7], sondern erzählt eine kleine Geschichte über das Mädel Madonna aus dem urbanen Ghetto, das ein großer Star werden möchte, was sich darin manifestiert, daß sie neon-farbige Hochhackige trägt. Yeah!
Beschließen möchte ich den Madonna-Reigen mit einer Geliebten-Geschichte, die aus zwei Videos aus zwei aufeinanderfolgenden Alben besteht. Wäre es ein Film, würde er “Die Geliebte des Torreros” heißen und befände sich auf Groschenromanniveau.
Im ersten Teil, “Take a Bow”, sieht man Madonna als Frau, die sich nach ihrem geliebten Torrero verzehrt, der aber lieber Karriere in der Stiertöterarena macht.
Madonna, “Take A Bow”, 1994; Regie: Michael Haussman.
Im zweiten Teil, “You’ll See”, trennen sich die Wege der Geliebten und ihres Torrero. Die beiden Videos erschienen innerhalb eines Jahres, in dem sich Madonna um die Hauptrolle in Alan Parkers “Evita” bewarb und die beiden Videos quasi als Bewerbungsunterlagen fungierten.
Madonna, “You’ll See”, 1995; Regie: Michael Haussman.
Es bleibt festzustellen, daß Madonna über sehr wenig wirklich großartige Videos verfügt. Erstaunlich für eine Künstlerin, die als DER Star der Musikvideoepoche schlechthin gilt. Allerdings verfolgte Madonna mit ihren Videos selten mehr als die Etablierung einer neuen Facette oder das Heraufbeschwören eines Skandals. Vielleicht erklärt das, warum die meisten Videos zwar edel, schön und gelungen sind, aber nie einen Aha-Effekt auslösen wie viele der bisher unter Meine Lieblingsmusikvideos gezeigten.
Links zu erwähnten Videos auf Dailymotion :
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