Diese Woche: Wham!, “Last Christmas”, 1984; Regie: Andy Morahan.
Seit fast einem Vierteljahrhundert ist “Last Christmas” der unvermeidliche Weihnachtssong. Damon Albarn nennt “Song 2” von Blur gerne seinen “Abramovich”, nach dem schwerreichen, russischen Ölmagnaten. Was die Tantiemen angeht, dürfte George Michael “Last Christmas” für seinen Abramovich halten.
Dabei schaffte es der Song nie auf Platz 1 der Charts. Im selben Jahr kam “Do They Know It’s Christmas” von Bob Geldofs Band Aid Projekt heraus und blockierte wochenlang den Spitzenplatz. Der Wham!-Song aber entwickelte sich in der Folge zum Klassiker, der jedes Jahr erneut in den Verkaufsregalen liegt, während Geldof zwei Mal nachlegen mußte, 1989 mit Band Aid II und 2004 mit Band Aid 20.
Beim Anblick des Videos fragt sich der geneigte Zuschauer, wie überhaupt irgendjemand George Michael all die Jahre für heterosexuell halten konnte. Erst 1998 outete er sich, nachdem er auf einer öffentlichen Toilette in Los Angeles von einem verdeckter Ermittler wegen unzüchtigen Benehmens festgenommen worden war. Viel zu erklären gab es eigentlich nicht mehr, aber er traute sich endlich an die Öffentlichkeit.
Dem Spaß an dem Video tut der Zahn der Zeit keinen Abbruch. Der exzessiv eingesetzte Weichzeichner, Georgies wunderbare Föhnfrisur (die sicher von mindestens 500 Milliliter Haarspray gehalten wird), das unbeschwerte Herumtollen im Schnee, die Endzwanziger peer group, die so alt wirkt wie sie niemals werden wird, das herunterfallende Lametta, Georgies Kajal-Augen mit Schmacht-Überzug: wenn klebrige Zuckerwatte sich in ein Musikvideo verwandeln könnte, sie wäre “Last Christmas”.
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