Meine Mission, alle Jennifer-Lopez-Filme zu schauen, ist eine ziemlich harte. Im Grunde hat J-Lo nur zwei gute Filme als Hauptdarstellerin hinbekommen: “Out Of Sight” und “U-Turn” , zwei Filme unter der Regie von zwei Könnern. Der Rest… oje, der Rest! Letzte Woche ist mir aber doch noch ein kleines, funkelndes Juwel unter die Augen gekommen.
Ich habe mich durch jede Menge Mist gewühlt: “Maid in Manhattan”, nach dessen Betrachtung ich mir ernsthaft die Frage stellte, ob ich jemals wieder meine Lieblingsromanverfilmung “Der englische Patient” mit Ralph Fiennes würde anschauen können.
“Angel Eyes”, mit J-Lo als tough cop . Entsetzlich!
“Enough”, mit J-Lo als wehrhafter Ex-Ehefrau. Aua!
“Anaconda”, mit J-Lo als Wasserschlangenjägerin (mmh, ja, der Filme hatte seine Momente, z. B. als Jon Voight endlich ins Gras biß…)
“Selena” , mit J-Lo als singtanzender Latina-Hupfdohle.
“Das Schwieger-Monster”, mit J-Lo als… ach, was soll’s, der Titel sagt doch alles.
“Wedding Planner” , mit J-Lo als romantisch verzweifelter Hochzeitsplanerin, die dem Grinsekopf Matthew McConnaahahairgendwas verfällt.
“The Cell” , mit J-Lo als Psychologin-im-Gehirn-eines-Verbrechers… muß ich mehr sagen? (Zugegeben: visuell ein vorzüglicher Film)
Und natürlich der unglaubliche “Gigli”, das Bennifer-Vehikel, mit J-Lo als tough criminal lesbian … hallelujah! “Gigli” (pronounced as in “really”) ist so seltsam dummer Mist, den kann man sich eigentlich nicht ausdenken. Nicht mal bekifft oder betrunken. Aber leider hat es offensichtlich doch jemand getan, und ein anderer jemand hat das Projekt auch noch abgesegnet. Soviel zum Drogenkonsum in Hollywood.
Das sind alles schlimme, schlimme Filme, doch letzte Woche war Wiedergutmachung oder auch Belohnung für meine Mühen angesagt. “An Unfinished Life” von Lasse Hallström handelt von einem alten Mann namens Einar (Robert Redford), der zusammen mit seinem ebenfalls alten Gehilfen Mitch (Morgan Freeman) auf seiner Farm in Wyoming lebt, unendlich verbittert seit vor etlichen Jahren sein einziger Sohn bei einem Autounfall ums Leben kam, bei dem dessen Frau Jean (J-Lo) unverletzt davonkam.
Jetzt, Jahre später, steht die Schwiegertochter mit dem ihm bisher unbekannten Enkelkind Griff auf Einars Hof und bittet um Zuflucht, denn sie ist vor ihrem gewalttätigen Ex-Freund Gary (Damian Lewis, a.k.a. Det. Charlie Crews aus “Life” ) geflohen.
Grimmig, ruppig, widerwillig gewährt Redford ihr Einlaß. Es entwickelt sich eine sehr schöne Geschichte um Schuld, Vergebung, das Auslassen von Chancen und nicht zuletzt um das Leben. Die Geschichte steht immer kurz davor an zuviel Pathos zu kippen und an zuviel Kitsch zu ersticken, aber eben immer nur fast. Die Gratwanderung gelingt. Hallström inszeniert eine (zugegeben vorhersagbare) Geschichte mit sehr schönen Bildern und einer platten Bären-Metapher, die dennoch wirkt.
Mein Lieblingsdialog findet statt, als Einar (Redford), der wehrhafte Farmer, den gewalttätigen Gary (Lewis) at gunpoint aus dem Ort jagt.
Einar: I see you back here again, I’ll kill you.
Gary: You seen too many westerns, old man!
Einar: That doesn’t exactly work in your favour.
Die Szene ist auch im Trailer zu sehen, den ich hier einbette obwohl es ein entsetzlich schlechter Trailer ist. Zunächst einmal wird die Nullachtfünfzehn-US-Trailer-Stimme verwendet, zum anderen kommt der Film wie ein rührseliges Stück Western-Pilcher rüber. Das ist er trotz seiner Defizite nicht. Aber der Dialog (@1:59) ist enthalten, das reicht als Trailerexistenzberechtigung.
Zu den Filmen von Soderbergh und Stone gesellt sich mit Hallströms “An Unfinished Life” ein dritter sehenswerter J-Lo-Film. Ain’ It Funny?
Druckversion

Einen Kommentar abgeben