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Das stand so nicht im Buch

Im <Carlsen Verlag> gibt es in der Reihe <Lesemaus> ein kleines Büchlein namens <Tim Borowski, der Fußballprofi>. Darin wird Borowskis Alltag als professioneller Fußballer beim SV Werder Bremen beschrieben. Zwischen Training und Spiel wird er als durchaus sympathischer Kerl porträtiert; eine gute Grundlage für tausende Väter, ihre Kinder an den SV Werder heranzuführen. Jetzt wechselt dieser Borowski aber ausgerechnet zum FC Bayern und stürzt damit diese tausende Väter in ein Dilemma: wie erkläre ich meinem Kind, daß Tim Borowski nun eine persona non grata ist?

Diese Frage stellten sich einige Mitglieder im offiziellen <Werder-Forum> und eine Antwort fanden sie nicht. Abgesehen davon waren sich die meisten aber einig, daß Borowskis Abschied keine allzu große Lücke hinterlassen wird. O-Ton “FunkNStein15″:

also im ersten moment musste ich lachen, wirklich!
lieber tim, mit dir ist es in letzter zeit immer weiter bergab gegangen!
schlechte leistungen, kein kampf, wenig ausstrahlung, große klappe, 1a-trab-verhalten, wenig einsicht, kindisches verhalten gegenüber der presse! kurzum, du hast dich immer weiter von den werten des vereins entfernt, der dich groß gemacht hat! wenigstens hast du diese neuorientierung jetzt mit letzter konsequenz abgeschlossen!

Das zeigt exemplarisch Tim Borowskis Stellenwert bei den Fans, der nicht sehr weit entfernt ist von dem der Vereinsoffiziellen. Sportchef Klaus Allofs nennt ihn einen Spieler “aus dem erweiterten Kreis der Nationalmannschaft”, Vorstandschef Jürgen Born verweist auf Borowskis Position im Bremer Mittelfeld, “wo wir recht gut aufgestellt sind”, und Borowskis fußballerischer Ziehvater Thomas Schaaf, der ihn 12 Jahre lang beim SV Werder begleitet und gefördert hat, sagt dazu nur: “Er hat uns seine Entscheidung mitgeteilt, und damit hat es sich.” Bedauern hört sich anders an.

Borowskis beste Saison bei Werder war die Saison 05/06, das Jahr vor der WM. Er profitierte wie kaum ein anderer Spieler im Bremer Mittelfeld vom Spiel des damaligen Regisseurs <Johan Micoud>. Nach der WM veränderte sich jedoch die Situation bei Werder: zum einen verabschiedete sich der französische Mittelfeldstar, zum anderen häuften sich die Verletzungen bei Borowksi. Er war selten fit, bestritt in den letzten anderthalb Jahren nur elf Spiele über 90 Minuten und harmonierte bei weitem nicht so sehr mit dem neuen Werder-Fixstern <Diego> wie er es mit Micoud getan hatte. Den Höhe- und Schlußpunkt des schleichenden Niedergangs Borowskis bei Werder war der letzte Spieltag der aktuellen Hinrunde, das 5-2 gegen Bayer Leverkusen. Werder lag früh hinten und spielte bis zum 1-1 schwach, als im Anschluß an den Ausgleich in der 31. Minute Borowski ausgewechselt wurde. Werder drehte auf und gewann überzeugend – ohne Borowski, der sich schmollend in die Katakomben des Weserstadions zurückgezogen hatte.

Auf <Welt.de> schreibt Friedrich Pohl, Borowski hätte sein Karriereende unterschrieben:

“Werder Bremens Mittelfeld-Star Tim Borowski hat gerade den größten Fehler seiner Laufbahn begangen. Mit seiner Unterschrift beim FC Bayern München verbaut er sich praktisch alle Chancen, jemals eine wichtige Rolle in der deutschen Nationalmannschaft zu spielen.”
<welt.de, 14. Januar 2008>

Das klingt arg polemisch, aber vielleicht wird Borowski den Wechsel wirklich einmal bereuen. Schon so mancher Spieler ist nach seinem Weggang vom “Wohlfühlverein Bremen” auf den harten Boden der Bundesligarealität zurückgeholt worden: Ailton, Fabian Ernst und Valerien Ismael sind nur die jüngsten Beispiele.

Für Werder ist Tim Borowski in der Form der letzten anderthalb Jahre kein schmerzhafter Verlust. Sollte er jedoch in München seine Form der Saison 05/06 wiederfinden, hätten die Bayern sogar ein Schnäppchen gemacht. Dann hätte sich der Satz von Ralf Rangnick wieder einmal bewahrheitet: “Das Scouting-System von Bayern München heißt Werder Bremen.”

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