Da liegt er nun am Boden. Gescheitert, geschlagen. Aber es fühlt sich nicht so gut an wie ich gedacht hätte. Eine Fußballeuropameisterschaft ohne England bedeutet, daß man auf eine Menge unterhaltsame Berichterstattung verzichten muß. Mir wird das kollektive Hochjubeln zum Titelfavoriten in der englischen Presse fehlen. Keine Artikel über die “Golden Generation”. Aber auch keine Statusmeldungen zur Verletzung von Wayne Rooneys Hand- oder Fußballen, Michael Owens Knie-Knöchel-Rücken-irgendwas oder David Beckhams Spliss. Keine Berichte über die <WAGs> und was sie tragen bzw. einkaufen. Keine Diskussionen, ob nun der Weltklassemann Peter Crouch oder der Weltklassemann Darren Bent neben Rooney stürmen soll, wenn dieser denn – Good Lord! – noch rechtzeitig fit wird. Zu guter Letzt wird mir das Ausscheiden im Viertelfinale durch Elfmeterschießen fehlen.
An Spott wird es den Engländern in den nächsten Monaten nicht mangeln, auch dann nicht, wenn vielleicht einer von den Großen Vier die Champions League gewinnen sollte: Arsenal, Chelsea, Liverpool, Manchester. Denn in einem solchen Fall würde erneut ein Finger in die Wunde gelegt werden: so stark die Premier League mit all ihren gehorteten Starspielern auch ist, so schwach ist die Nationalmannschaft. Und von der “Golden Generation” bleibt nichts über als ein bißchen “Bling”, wie Paul Doyle es für den GUARDIAN <kommentiert>. Sein Urteil lautet:
“The brutal truth of tonight’s 3-2 defeat is this: England aren’t one of the best 16 teams in Europe, let alone a world football power.”
Kurz weint Doyle dem geschassten Sven-Göran Eriksson hinterher, um dann aber stolz nach vorne zu schauen und an die Niederlage der Inselkicker von 1953 zu erinnern, als die Ungarn im Wembley Stadion auftrumpften und den Engländern eine Lektion erteilten, die sie nicht vergessen sollten und die wohin führte? Genau, zum WM-Titel 1966. Die Kunst des Engländers an sich, Seelentrost in der ruhmreichen Vergangenheit zu finden, wird auch hier wieder offenbar.
Als Nachfolger für den gefeuerten Nationaltrainer ist <Jose “The Special One” Mourinho> im Gespräch. Der im September bei Chelsea zurückgetretene Portugiese war und ist ein Liebling der englischen Medien, die immer ein gehöriges Wort mitzureden haben. Doch was würde er anders machen? Zunächst einmal würde er nicht wie McLaren mit einem Regenschirm neben dem Spielfeld stehen. Bei Mourinho hätte es nicht geregnet. Er hätte dem Regen gedroht und ihn der Verschwörung mit Kälte und Wind zugunsten der Kroaten bezichtigt.
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