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Die Gegenreformation

Zu Jürgen Klinsmanns Rauswurf beim FC Bayern würde ich ja nur zu gerne etwas schreiben. Einerseits. Andererseits aber auch nicht, denn im Grunde hängt mir dieses Thema seit Klinsmanns Vorstellung als neuer Trainer in München zum Halse heraus. Ich will jetzt nicht so weit gehen und für mich reklamieren, daß ich das Scheitern des “Projekts Klinsmann” habe kommen sehen (denn das habe ich nicht). Vielmehr enttäuscht mich die Entlassung (und ihr Zeitpunkt!), weil ich den FC Bayern für weitaus professioneller und kompetenter in seinen Zielen und deren Umsetzung gehalten habe. Ein gedanklicher Fehler meinerseits. Denn realistisch betrachtet ist der Club nicht sehr weit entfernt von unseriös geführten Karnevalsvereinen wie dem FC Schalke, dafür aber Lichtjahre entfernt von den europäischen Spitzenclubs, denen man in München ach so gern auf Augenhöhe begegnen würde.

klinsmann-guardian-honigstein.png Die Entlassung wurde erwartungsgemäß medial zelebriert/ausgeschlachtet. Jede Menge Flitzpiepen wurden vor Kameras gestellt. Eines der bizarrsten Beispiele dafür bot die ARD, deren Beitrag samt Auftritt von Helmut Markwort für die Ewigkeit festgehalten wurde vom Fleißkärtchenempfänger Trainer Baade (im Bewegtbild kann man sich den Auftritt hier anschauen).

Ebenfalls von sich reden machte Rainer Holzschuh, der Chefredakteur des verstaubten altehrwürdigen kicker. Ich zitiere dazu ein exzellentes Fundstück von dogfood aus seinem Blog allesaussersport:

[12h14] Rainer “Holzstuhl” (N24-Moderatorin) ist zum zweiten Mal binnen 60 Minuten in der Leitung von N24. Sinngemäß: Jetzt müssen sich die Spieler beweisen. Fast alles Problemspieler. Der Kader wurde falsch zusammengestellt.

Rainer Holzschuh aus dem Editorial des KICKER-Bundesliga-Sonderheftes 2008/09:

Dass die Bayern dennoch berechtigt als haushoher Favorit gelten, begründet das professionelle Umfeld in München. Die Mannschaft wirkt in sich stimmig, der Trainerstab austariert. Auch ohne eine Vielzahl bedeutender Neuzugänge herrscht ein Überangebot an titelhungrigen Stars, die nach jedem Sieg gieren, daneben auch spielerisch den Vorsprung auf die Konkurrenz ausbauen wollen.

Quelle: “Bayern tauscht Stürmer aus: Heynckes statt Klinsmann”, allesaussersport.de, 27.04.2009.

Von den anderen vielen, den sehr, sehr vielen Kommentaren, Meinungen und Dummlabereien, die jetzt zur “Causa Klinsmann” veröffentlicht werden, ist für mich nur eine es wert, hier zitiert werden zu dürfen. Oliver Frisch hat für ZEIT Online ein schönes Sittengemälde des FC Bayern im Jahr 2009 gezeichnet:

“[...] Der gestrige Tag hat vor Augen geführt, wer in Fußballdeutschland noch immer Meinung macht und als Experte gilt, also welche Riege an Duzern, Schoßsitzern und Wichtigtuern. Analyse und Kritik kann man nicht erwarten. Obwohl Klinsmanns Entlassung eine deftige, vielleicht folgenschwere Niederlage für den FC Bayern ist, wurde sie als Boulevardstück inszeniert. Die eigentlichen Verantwortlichen eines wankenden, Konzept suchenden Unternehmens, das noch genug Geld hat, auch gröbste Fehler abzufedern, bleiben unangetastet. An sie traut man sich nicht heran. [...]” Quelle: Oliver Fritsch, “Der deutsche Stammtisch hat gesiegt”, ZEIT Online, 28.04.2009.

Auch der Rest des Artikel ist sehr lesenswert. Er ist der einzige, den man zum Thema gelesen haben muß.

[ARD-Clip via Trainer Baade]

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