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The Boys Are Back In Town

Heute startet die NBA-Saison 2007/08, verbunden mit vielen Fragen. Die wichtigsten werden hier beantwortet.

Wer wird Meister?

Leider wieder die San Antonio Spurs. Niemand mag sie, niemand mag sie anschauen, aber am Ende schaukeln sie das Ding wieder nach Hause. Immerhin sitzt im Publikum <Eva Longoria Parker>, das relativiert das “niemand mag sie anschauen” ein wenig.

Wer wird MVP?

Langweiler Tim Duncan (San Antonio Spurs) hat schon drei Trophäen, Shaqille O’Neal (Miami Heat) ist alt, Surfer-Steve Nash (Phoenix Suns) wird älter, Kobe Bryant (L.A. Lakers) ist ein Egomane, Dwayne Wade spielt bei den Miami Heat bestenfalls um einen Playoffplatz, Kevin Garnett (Boston Celtics) wird im neuen Umfeld altruistischer spielen denn je, Dirk gewinnt als Europäer nicht zwei Mal hintereinander. Es bleibt nur einer übrig, das Lieblingskind aller NBA-Marketingstrategen: Lebron James (Cleveland Cavaliers).

Was macht Dirk?

Dirk wird den Titel jagen. Welchen? Mmh, mal schauen: Meister werden die Spurs, MVP wird Lebron James … es ist also egal, welche Trophäe er jagt. Diese Saison ist nichts zu holen für Dirk, es sei denn … die Mavericks bekommen vom Weihnachtsmann einen defensivstarken Centerspieler geschenkt. Auf der Position haben sie so wenig zu bieten, daß Dirk selbst dort Aushilfskraft ist. Ohne einen halbwegs tauglichen Center werden sie in den Ost-Playoffs von Tim Duncan (San Antonio Spurs) und Amaré Stoudemire (Phoenix Suns) nach Belieben dominiert. Dirk selbst wird zweifellos wieder eine fabelhafte Saison abliefern, aber für den Sprung ganz nach oben aufs Treppchen, da fehlt leider ein man in the middle.

Was macht Kobe?

Gar nichts. Kobe Bryant wird weiter Trade um Trade fordern, aber niemand wird ihn haben wollen. Sein Gehalt ist exorbitant hoch und er verspricht keine Sieggarantie. Er ist ein begnadeter Spieler, unaufhaltsam im Eins-gegen-eins, aber – und das ist das Entscheidende – er macht seine Mitspieler nicht besser. Er hebt sie nicht auf einen anderen Level. Alle unter “Wer wird MVP?” aufgelisteten Spieler vermögen das, deshalb lecken sich alle NBA-Teams die Finger nach ihnen. Kobe ist für einen Punktelieferanten und Fokuszieher zu teuer, als das rationale General Manager Talent und/oder Geld für ihn opfern würden.

Wer sind die Celtics und warum sind sie so ein großes Thema?

Die Boston Celtics sind die nach wie vor erfolgreichste Mannschaft der NBA. 16 Meisterschaften stehen bei ihnen zu Buche. Seit dem Karriereende von Larry “The Legend” Bird (1992) ist aber so wenig passiert, daß man sich schon wundern kann, warum auf einmal so viel über die Celtics gesprochen wird. Aber das hat seinen Grund, und der kommt daher in der Gestalt von Kevin Garnett, 30jähriger Ex-Timberwolf aus Minnesota, einmaliger Regular Season MVP und Top-Verdiener der NBA. Für ihn und den 32jährigen Ex-NBA-Allstar Ray Allen von den Seattle Sonics gaben die Celtics im Sommer alles an Talenten und Draft Picks her, was sie über die erfolglosen Jahre angehäuft hatten. Die Devise des jahrelang erfolglosen und entsprechend umstrittenen General Managers Danny Ainge lautet “Win! Now!”. Alles andere würde seinen Kopf kosten. Aber es bleibt abzuwarten, wie schnell sich Garnett und Allen einfinden. Zusammen mit dem bisherigen Celtics-Starspieler Paul Pierce bilden sie ein zweifellos gefährliches Trio. Aber auf den für eine Meisterschaft neuralgischen Punkten Center und Aufbau sind die Celtics nach wie für dünn bestückt.

Wer wird die Überraschungsmannschaft?

Zweifellos die Memphis Grizzlies. Die größte Enttäuschung der letzten Saison fußte im wahrsten Sinne des Wortes auf einem dauerverletzten Pau Gasol, der lange an unter Folgen eines Fußbruchs litt, den er sich bei der FIBA-WM 2006 zugezogen hatte. Der spanische Starspieler der Grizzlies war danach selten gesund, selten in Form und konnte den Verfall seines Teams vom Playoffaspiranten zum Lottery Team nicht vermeiden. Doch dieses Jahr wird es anders sein. Nicht nur ist Gasol fit und brillierte im Spätsommer bei der Europameisterschaft, sondern die Grizzlies stellten ihm auch seinen Nationalmannschaftskameraden und Freund Juan Carlos Navarro vom FC Barcelona zur Seite. Zudem drafteten die Grizzlies mit Mike Conley Jr. einen der besten College-Aufbauspieler. Der Weg der Grizzlies geht nach oben, aber für ganz oben (=Conference Finals) wird es im starken Westen der NBA nicht reichen.

Wer wird die große Enttäuschung?

Bisher deutet alles auf die Golden State Warriors. Letzte Saison besiegten sie sensationell Dirks Mavericks in der ersten Runde der Playoffs, nicht zuletzt weil der “Mad Professor” Don Nelson, Ex-Trainer der Mavericks, die Kreatur, die er über Jahre erschaffen hatte (=Dirk), zerstörte. Diese Saison wird die Reise nicht so weit gehen für die Warriors. Verletzungspech zu Saisonbeginn (Monta Ellis, Stephen Jackson), Streit über die Vertragsverlängerung mit Nelson in der Off-Season: die Aufbruchstimmung ist weg in der Bay Area. Es wird ein langes und hartes Jahr für Nelson und seine Spieler, das vermutlich in der Lottery enden wird.

“Will the Knicks win the championship this year?”

In seinem Song “Anything can happen” beantwortet Wyclef Jean die oben zitierte Frage mit “Say what, say what, anything can happen” und damit ist auch in diesem Jahr alles über die Knicks gesagt. Wyclefs Song ist aus dem Jahr 1997. Seitdem haben die Knicks unzählige Trainer, überbezahlte Starspieler und gnadenlos überbezahlte Rollenspieler verbraucht. Geändert hat sich daran nichts. Nur stehen mittlerweile weniger die Spieler im Vordergrund als der nach wie vor höchst umstrittene Trainer Isiah Thomas, ehemaliger Meisterspieler der Detroit Pistons. Im Sommer wurde er in einem schmutzigen Prozeß vom Vorwurf der sexuellen Belästigung freigesprochen, was jedoch lediglich bedeutete, daß nicht er, sondern sein Boss, der Knicks-Besitzer James Dolan, zu zahlen hatte: 11,6 Millionen Dollar für die Klägerin. Das war so ziemliche der spektakulärste Coup der Knicks in den letzten zehn Jahren.

Wer ist der Geheimfavorit?

Die Chicago Bulls. Neun Jahre nach der letzten Meisterschaft von Michael Jordan und Co. haben die Bulls wieder ein Team, das auf allen Positionen stark besetzt ist und das auf der Bank über solche Talente verfügt, die den Unterschied ausmachen können. Der Star-Backcourt der Bulls nähert sich seinem Höhepunkt: Ben Gordon, Shooting Guard, spielt seine vierte Saison, Kirk Hinrich, Point Guard, seine fünfte. Dazu kommen der elegante Allrounder Luol Deng (vierte Saison) und das Kraftpaket Andres Nocioni (vierte Saison) auf den Flügeln sowie der Elder Statesman und Ex-Meisterspieler der Detroit Pistons Ben Wallace (elfte Saison) unter dem Korb. Auf der Bank sitzen die vielversprechenden Youngster Tyrus Thomas und Joakim Noah. Die Bulls haben alles an Bord, was an eine Meistermannschaft ausmacht. Was Trainer Skott Skiles daraus formt … man darf gespannt sein.

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